Blog

01.03.18

Frauenbonus

Pierin Vincenz hats getan, und Susanne Ruoff hat es auch getan: Sich persönlich dank ihrer Positionen bereichert. In beiden Fällen weiss man (noch) nicht genau, ob legal oder illegal. Der eine aber sitzt in Untersuchungshaft, die andere fest im Sattel.

Insgesamt etwa 25 Millionen bezahlten alleine die Ostschweizer Kantone (SG, TG, AR, AI) seit 2007 jährlich an die PostAuto AG. Mit Buchhaltungstricks erreichte die Posttochter, dass ihr Bund und Kantone zu viele Subventionen bezahlten, und erzielte damit einen – gesetzeswidrigen – Gewinn von rund drei Prozent: 7,5 Millionen schuldet PostAuto der Ostschweiz also im Minimum.

Die illegalen Gewinne, die im subventionierten Geschäft der PostAuto AG angefallen sind, waren innerhalb der Post seit Jahren bekannt. Postchefin Susanne Ruoff musste in den letzten Wochen scheibchenweise zugeben, dass sie davon Kenntnis hatte. Zurücktreten will die gelernte Primarlehrerin aber nicht. Und das, obwohl oberste Kader der Post über zehn Jahre toleriert haben, dass in der Buchhaltung der Posttochter PostAuto AG getrickst wurde. Das geschah offenbar, um die vom Konzern – also u. a. von Ruoff – vorgegebenen Gewinnziele zu erreichen.

Die Postkaderleute stehen im Verdacht, damit auch ihre eigenen Löhne aufgebessert zu haben: Ein Blick der «SonntagsZeitung» in die Post-Kaderlohnrapporte zeigt, dass deren Löhne und Boni zwischen 2006 und 2016 stark gestiegen sind: 2006 verdiente der Post-CEO noch 790'000 Franken. 2016 erhielt Ruoff schon 975'000 Franken, 24 Prozent mehr. Auch der Lohn der Geschäftsleitungsmitglieder ist um einen Viertel gewachsen. Ruoff und ihre «Gschpänli» in der Post-GL haben sich also eine üppige Lohnerhöhung zugeschanzt, während die ihnen unterstellte PostAuto AG am grössten Subventionsbetrug der Schweizer Geschichte zimmerte.

Fast gleichzeitig zum PostAuto-Bschiss platzte die Bombe über den Raiffeisen-Bschiss: Der frühere Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz soll mit verdeckten Geschäften fast fünf Millionen Franken gemacht haben. Dies fand ebenfalls die «SonntagsZeitung» heraus. Vincenz bestreitet, sich bei den fraglichen Transaktionen unrechtmässig bereichert zu haben. Dies untersucht derzeit die Staatsanwaltschaft – während der Ex-CEO in Untersuchungshaft sitzt.

Susanne Ruoff hingegen sitzt noch im Sattel. Nach langem Zögern hat sich Post-VR-Präsident Urs Schwaller (CVP) nun aber unter öffentlichem Druck dazu bequemt, ein Expertenteam einzusetzen, dass die Post-internen Untersuchungen begutachtet. Gleichzeitig hat das Bundesamt für Polizei ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet. Das Wichtigste ist, dass nun schonungslos offengelegt wird, wer wieviel wusste und abgezockt hat. Sonst kann schnell der Verdacht aufkommen, dass bei «verschwundenen» Steuergeldern weniger genau hingeschaut wird als bei privaten. Oder bei Frauen weniger als bei Männern.

«Kein Geld ist vorteilhafter angewandt, als das, um welches wir uns haben prellen lassen: Denn wir haben dafür unmittelbar Klugheit eingehandelt.»
– Arthur Schopenhauer

– Stephan Ziegler, Dr. phil. I