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01.04.18

Rosarote Elefanten

In den letzten drei Jahren haben sich die freistehenden Verkaufsflächen in der Ostschweiz verdoppelt – auch in der Stadt St.Gallen. Statt dass man das Übel an der Wurzel packt, schlägt die Stadt allen Ernstes «Zwischennutzungen» als Lösungsansatz vor. Dafür wäre die Antwort einfach: Attraktivität rauf, Bürokratie runter.

Leere Verkaufsflächen dienen niemandem: nicht dem Vermieter, nicht dem Kunden, nicht der Stadt. Das hat sogar die Stadt St.Gallen gemerkt und ein Projekt «Zukunft St.Galler Innenstadt» ins Leben gerufen, mit dem sie am runden Tisch Lösungen gegen das Lädelisterben finden will.

Eine Augenwischerei: Denn solange Regierung und Parlament nicht willens sind, die Ursachen zu bekämpfen, nützen auch Dutzende von Palavern nichts. Besonders dann nicht, wenn als Lösungen ernsthaft Zwischennutzungen der freistehen Lokale mit Pop-up-Stores und Ähnlichem vorgeschlagen werden. Oder eine digitale Plattform. Oder Informationsstellen an Hotspots.

Die drei Grundübel, die zu beheben St.Gallen in der Hand hat – Onlinehandel, Mietpreise und Einkaufstourismus liegen nicht in unserer Macht –, sind Gewerbe- und Autofeindlichkeit sowie Rappenspalterei: Solange es einfacher ist, ins Shoppingcenter zu fahren als in die City, werden sich die Innenstadtgeschäfte nicht wieder füllen. Solange die Stadt für alles und jedes eine – teure und umständliche – Bewilligung verlangt, schreckt man Unternehmen ab. Und solange man es nicht schafft, die Stadt ordentlich zu präsentieren, macht man keine Werbung für ebendiese. Ein Beispiel: Wer ums Himmels willen kommt auf die Idee, unsere Gassen mit einem Dutzend verschiedener Steinarten pflästern zu lassen, die all Hennenschiss wieder aufgerissen und dann lieblos zugeteert werden? Sieht von den Beamten wirklich keiner, dass Strassen und Gassen wie in der ehemaligen «DDR» nach Geiz, Lieb- und Phantasielosigkeit schreien?

 

Solange das St.Galler Stadtparlament also seinen Linkskurs fährt und die Stadtregierung eifrig mitzieht – Stichwort «Parkplatzklau», als die Stadt Dutzende von Parkplätzen aufhob mit dem Versprechen, diese würden durch das Parkhaus Schibenertor kompensiert, das von ebendieser Stadt dann versenkt wurde –, wird sich an der Innenstadtsituation nichts ändern.

Das rot-grüne Parlament möchte offenbar lieber seine Stadt in Schönheit sterben sehen, als ihr beim Überleben zu helfen. Erst wenn der letzte Steuerfranken für Gleichstellungsexperten, Genderspezialisten, Antidiskriminierungsstellen, Antirassismusprojekte und was weiss ich für einen Mist ausgegeben wurde, werden vielleicht auch unsere Stadtoberen merken, dass man ohne Gewerbe steuertechnisch auf dem Trockenen sitzt.

Gefordert wäre ein Über-den-Schatten-Springen von Regierung und Parlament; ein Einsehen, dass Parkplatzabbau, Paragrafenreiterei und Schmörzeligkeit nicht zu blühenden Innenstädten führen, in denen rosarote Elefanten und herzige Einhörner Ringelreihen tanzen, sondern zu Innenstadtbrachen, die niemandem dienen.

«Alles, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen.»
– Konrad Adenauer

– Stephan Ziegler, Dr. phil. I